Gut geplant ist halb gewonnen!
Wie abgemacht wurde ich am Morgen des 10. Dezember 2009, pünktlich um 07:00 von Frau Dr. Vogel und Dr. Baumann, von der neurologischen Klinik und Frau Uhl, Pflegefachfrau abgeholt. Kaum im Operationssaal (OPS) angekommen ist Dr. Sürücü, der Neurochirurg zu uns gestossen. Und los… Als erste Aktion war das Aufschrauben des Taxierrings geplant.
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Obwohl ich keinen Schmerz empfand, spürte ich wie sich die Schrauben in den Schädel verankern und diese abartige Spannung erzeugen. Danach wurde nochmals ein CT mit dem Titanring gemacht, welcher dem Chirurgen als Orientierungs- und Systierungshilfe diente. Durch die ständige Überbeweglichkeit hatte ich einen so starken Tonus und Muskulatur entwickelt, dass der Chirurg meinen Kopf mit aller Kraft in die dafür vorgesehene Verankerung auf dem Tisch einspannen musste. Die CT-Bilder wurden jetzt auf die früher erstellten MRIs gelegt, um die Berechnungen nochmals zu überprüfen. In dieser Zeit hatte ich eine Pause von ca. zwei Stunden. Da ich meine Brille unter dem Titanring nicht tragen konnte, hat Frau Uhl mir den Sportteil aus 20min vorgelesen. Schneller als erwartet kamen Dr. Sürücü und seine Crew zurück und ich wurde in den OP-Saal gefahren und auf den OP-Tisch gebettet. Dr. Sürücü hat mit höchster Sorgfalt gearbeitet und jeden Handgriffe spielte er zuvor an einem Lehrmodell durch.
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Jenseits meiner Vorstellungskraft.
Ich hatte sehr grosse Angst vor dem Diamant-Bohrer, da ich nicht mit diesem Unfang gerechnet hatte. Ich dachte mir, die Löcher werden einen Durchmesser von wenigen Millimeter haben, aber Dr. Sürücü hatte bei der Vororientierung ein Modell des Bohrers dabei: Das gibt zwei Löcher mit einem Durchmesser von min. 1 ½ cm. Um das Akustische Geräusch zu entschärfen hat mir Frau Uhl den MP3-Player aufgesetzt.
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Ich dachte das Bohren des Loches wäre längst vorbei, aber das war wohl nur das Anschleifen des Schädels. Deshalb verpasste ich den Moment als Dr. Sürücü den Diamantbohrer beim Assistenten verlangte und entspannte mein Gesicht, weshalb mein Unterkiefer von der Vibration mächtig durchgerüttelt wurde.

Die wohl längsten 14 Stunden meines noch jungen Lebens.
Nun wurden die Stimulationssonden eingeführt. Obwohl das Gehirn absolut schmerzfrei ist, habe ich den Widerstand gespürt. Bei mir liegen die Stimulationskerne nicht wie bei 95% aller Patienten sondern etwas tiefer und auch enger zusammen. Bei der Endpunkt-Stimulation traten unterschiedliche Nebenwirkungen auf. Das Schlimmste war die starke Übelkeit auf Knopfdruck. Es musste also weiter gesucht werden. An dieser Stelle einen herzlichen Dank und grossen Respekt an Dr. Sürücü, der das Ziel niemals aus den Augen verlor und mit unermüdlichem Einsatz und Engelsgeduld schlussendlich das Ziel erreicht hat. Ein grosses Aufatmen ging durch das ganze OP-Team als direkt nach der Stimulation das neurologische Ergebnis positiv ausfiel. Die zweite Sonde konnte entsprechend schneller gesetzt werden. Ein grosses Lob an das ganze OP-Team. Ich werde nie vergessen mit welcher Dynamik ihr mich während der 12stündigen OP unterstützt habt.

Vollnarkose für die Verkabelung und das Einsetzen des Stimulators.
Da ich beim Aufwachen aus der Vollnarkose nicht mehr selbständig genug atmen konnte und Krampfanfälle hatte, wurde ich intubiert und auf die Intensivstation verlegt.
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