Nach fünf Wochen Spitalaufenthalt wurde ich nun endlich mit dem internen Transportdienst vom Universitätsspital Zürich in die Rehaklinik Zihlschlacht gefahren. Ich durfte ein grosszügiges Zimmer beziehen. Das Therapieprogramm ist sehr streng aber gewinnbringend. Ich durfte bereits nach drei Wochen einige Verbesserungen feststellen, was die Pflege bewegte mich eine Stufe besser einzuteilen als beim Eintritt.
Reha-Klinik

Nach sechs Wochen Reha-Aufenthalt bin ich am 23. Februar 2010 von Zihlschlacht wieder nach Hause gekommen. Das Therapieprogramm war sehr streng, bis zu zehn Therapien pro Tag. Trotzdem war jeder Tag für mich ein Gewinn. Das Programm war sehr umfangreich und umfasste u.A.: Physio, Logopädie, Feinmotorik, MTT (Kraft-Training), Balance-Traning, Laufband, Qi Gong, Neuropsychologie, Berufspädagogik usw. Ich konnte auf eine Top-Infrastruktur zurückgreifen.
Da ich am Besteigen meines persönlichen 4000er's mit fast unüberwindbaren Stellen und überhängenden Wänden bin, trug ich immer die rote Gipfelsturm-Mütze von unserem Fasnachtsmotto 2008.
zihlschlacht

In der zweitletzten Woche war das Schweizer Fernsehen auf Besuch und hat Aufnahmen für die Sendung GESUNDHEIT Sprechstunde gemacht. Der Beitrag über die Krankheit Parkinson wird am nächsten Samstag, 3. April 2010, um 18.00 Uhr ausgestrahlt. Ich weiss nicht, was gezeigt wird, aber Rotkäppchen wurde auch bei vier Therapien gefilmt.
Um den Beitrag jetzt zu sehen, bitte auf das Signet GESUNDHEIT Sprechstunde klicken:
Gesundheit Sprechstunde

Zihlschlacht

Da sich mein Gesundheitszustand mit jeder Anpassung der Stimulation im USZ verschlechtert hat und ich zwischenzeitlich auch den Mut verloren hatte, habe ich nochmals einen stationären Aufenthalt verlangt, damit die Stimulation richtig eingestellt werden kann, und ich 24 Std. unter Aufsicht bin. Doch die Ärzte in der REHA-Klinik Zihlschlacht sahen das anders.
Trotz meinen Bemühungen, dass die Ärzte vom USZ und von der REHA-Klinik miteinander sprechen und das weitere Vorgehen festlegen, wurde nicht mal überprüft wie die Stimulation jetzt eingestellt ist. Stattdessen musste ich mir von den Kaderärzten Sprüche anhören wie:
„Müssen wir jetzt wieder 4 Wochen mit Ihnen streiten, oder gehen Sie freiwillig in den Rollstuhl?“
„Eine querschnittgelähmte Person muss sich auch an den Rollstuhl gewöhnen.“ oder
„Sie haben ja keine richtige Beschäftigung. Es gibt schöne Behinderten-Werkstätte.“ Aber ich bin nicht querschnittgelähmt und wenn ich noch ein Funken Hoffnung sehe, ist der Rollstuhl keine Option. Und für eine Behinderten-Werkstatt bin ich jetzt einfach noch zu klar im Kopf.
Trotz diesen negativen Schlagzeilen darf ich feststellen, dass sich der zweite REHA-Aufenthalt für mich persönlich doch gelohnt hat:
Ich durfte sehr interessante Leute kennen lernen. Ich ziehe vor jeder Person den Hut, denn sie haben mich gelehrt mit meinem „Schei..-Leben“ wieder zufriedener zu sein.
Reha
Blutiger Sturz mit glimpflichem Ende. Vor einer Woche am 29. Juni 2010, um 07.00 Uhr bin ich aufgestanden um meine erste Medikation einzunehmen. Vorgängig wollte ich noch schnell unsere Katze Kiwi füttern. Also bin ich mit dem Rollstuhl in die Küche gefahren. Als ich den Futternapf vom Boden aufheben wollte, rutschte ich so ungeschickt aus dem Rollstuhl, dass ich frontal mit dem Gesicht auf dem Boden aufschlug und mir eine stark blutende, offene Nasenfraktur zuzog. Zum Glück war meine Frau Karin ferienhalber zu Hause und konnte sofort den Notruf alarmieren. Mit der Ambulanz wurde ich in die HNO-Abteilung nach Luzern transportiert, wo ich medizinisch versorgt wurde. Fünf Häfte in der Oberlippe, einer an der Nasenwurzel, ein Stich in der Nase um die Nasenmuschel wieder anzunähen, das ausrichten der Nase und zwei Tage stationärer Aufenthalt war das Ergebnis der morgendlichen Flugstunde. All dies vermag wieder zu heilen, Schmerzen vergehen wieder, aber Parkinson bleibt allgegenwärtig.
Nasenbruch
Neben all den Negativschlagzeilen gibt es in meinem Leben auch einzelne Highlights die mich wieder einige Zeit Überwasser halten.
Am letzten Montag war ich in Menznau mit dem Pferd „WOLKA“ auf einem stündigen Ausritt. Natürlich an der Hand geführt. Der Umgang mit den Pferden lässt mich immer wieder ausbrechen aus meiner kranken Welt. Denn Tiere werten nicht – egal ob jemand ein Handicap hat oder nicht.
Reiten Menznau
Trotz meines starken, sozialen Umfeldes, wird der Wunsch, immer einen guten Freund an meiner Seite zu wissen, immer grösser. Im SPZ Nottwil habe ich immer wieder Leute mit Hilfs- und Begleithunden gesehen. Deshalb habe ich ein Gesuch für einen Hund bei LE COPAIN eingereicht. Am letzten Freitag waren zwei Personen von LE COPAIN bei mir. Für eine weitere Abklährung mit den Hunden reisten wir am vergangenen Montag ins Wallis. Die Reise hat sich gelohnt. Die Begegnung mit den Hunden war sehr interessant. Nun wurde mir angeboten, das zweiwöchige Training im Dezember zu absolvieren. Wenn alles gut läuft, werde ich an Weihnachten mit meinem treuen Begleiter zu Hause sein, wo das Training täglich weiter geführt wird. Ich freue mich, diese neue Herausforderung anzunehmen um ein harmonisches Team mit dem Hund zu werden.
Le Copain

Als ich letzten Dezember im USZ lag, haben mir meine Schwiegereltern die DVD vom Cabaret Duo Divertimento (Plan B) geschenkt. Es war eine willkommene Aufheiterung. In der Welt der Comedy konnte ich sehr gut abschalten und Tränen lachen. Umso mehr freute es mich, als ich von meiner Frau (Karin) Tickets für eine Liveaufführung im November 2010 bekam. Am letzten Mittwoch war es dann soweit. In der Reihe sechs sitzend, konnte ich die Mimik und Gestik super sehen. Ein Riesenerlebnis, wo die Lacher nicht ausgeblieben sind.

Am 18. Dezember bin ich mit Fado nach zwei wöchigem Praktikum in Bex VD nach Hause gekommen. Fado ist ein Golden Retriver Rüde und wird im Januar drei Jahre alt. Es macht mir grosse Freude, mit ihm die Zeit zu verbringen. Leider ist es manchmal schwierig nach draussen zu gehen, da mein Rollstuhl nicht schneetauglich ist. Umso mehr geniesst Fado das Bad im Tiefschnee. Den Traum einen stetigen, treuen Begleiter an der Seite zu haben, wurde auf Weihnachten erfüllt.
Fado
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